Gipfelanstieg Schönbichlerhorn in den Zillertaler Alpen

Artikel über die AtmungDer Zusammenhang von Atmung und Bewusstsein

Liebe Yogakurs-TeilnehmerInnen, liebe Interessierte,

wir haben gerade Yogakurs-Pause, da wir in den Bergen unterwegs sind und so wird es noch einige Zeit dauern, bis wir im Herbst wieder zusammen üben können. Ich möchte euch auf diesem Weg ein paar Gedanken zum Thema Atmung schicken und eine einfache, aufbauende Übung als Anregung dazu, und wünsche euch allen, dass ihr gesund bleibt und mit Aufmerksamkeit, Phantasie und weiterführenden Ideen diese einschränkenden Zeiten gestalten könnt.

Berichterstattung und Informationen zum Coronavirus sind sehr unterschiedlich aufgebaut. Es gibt Artikel, die eine objektive Information darstellen und andere, die Unsicherheit und häufig auch Angst und sogar Panik erzeugen können. Die Art der Darstellung hat eine Auswirkung auf die Atemtätigkeit. In der Übungspraxis des "Neuen Yogawillens" ist die sogenannte „freie Atmung" ein zentrales Thema, uns so kann man interessante Zusammenhänge von Atemqualität und Art der  Berichterstattungen beobachten.

Wenn man sich in Gedanken ganz deutlich einen engen Raum vorstellen, wird man bemerken, dass diese Vorstellung eine Auswirkung auf die Atmung hat, stellt man sich einen großen, weiten Raum vor, so hat dieses Bild auch eine Wirkung auf die Atemtätigkeit. So kann man konkret bemerken, die Vorstellung, das Bild, das man von einem Raum oder auch von einer Sache hat, hat unmittelbar eine Auswirkung auf die Qualität des Atems. Wenn man nun einen Bericht sieht, in dem von einem Krieg gegen das gefährliche, neuartige Virus, von Tausenden von Toten, die an Corona gestorben sind, die Rede ist, und dass man das neue Coronavirus noch nicht kennt und seine Wirkungsweise nicht einschätzen kann, dann kann man durch diese mehr emotionale Darstellung und die entsprechenden Bilder, die eine große Gefährlichkeit suggeriert, eine Veränderung in der Atmung bemerken. Hört man einen Bericht, der wissenschaftlich und logisch aufgebaut ist, und die Fakten, die Zahlen und die Erkenntnisse zum Virus in seinem ganzen Umfang und Zusammenhang klar und verständlich darstellt werden, dann wird diese geordnete Art der Berichterstattung auch eine Wirkung auf die Atemtätigkeit haben. Wahrscheinlich kann man im ersteren Beispiel eine unregelmäßige, evtl. teilweise stockende, beengte Atmung bemerken, während man bei dem zweiten Beispiel wahrscheinlich eine gelöste und natürliche Atmung beobachten kann. Vorstellungen und Bilder von einer Sache haben also eine unmittelbare Auswirkung auf den Atem. Man spricht auch davon „Mir ist vor Schreck die Luft weggeblieben …" "Da stockt es einem den Atem ...." oder, wenn sich eine Anspannung auflöst „Jetzt kann ich wieder richtig tief durchatmen …"

So kann man feststellen, dass Bilder, Vorstellungen, Berichterstattungen und Artikel in uns etwas bewegen und sich unmittelbar auf die Qualität der Atmung auswirken. Je emotionaler und aus dem konkreten Zusammenhang herausgerissen diese Darstellungen sind, umso mehr werden sie eine Unruhe und unregelmäßige Atmung erzeugen. Wird eine Sache klar und logisch dargestellt und auch in den vollständigen Zusammenhang gebracht, bemerkt man, dass mehr eine Ruhe entsteht und auch die Atmung sich ganz natürlich bewegen kann.

Über die Atmung sind wir mit dem Außenraum, dem Luftraum der uns umgibt und mit dem Innenraum, dem Lungenraum in uns, verbunden. Über die Atmung korrespondiert unser Inneres mit einem Äußeren und umgekehrt. Das ist eine interessante Tatsache und wenn man diese in weitere Zusammenhänge führt, kann man sich gut vorstellen, dass man entweder bewusst oder unbewusst etwas in die Umgebung hineingeben und umgekehrt bewusst oder unbewusst von dieser empfängt. Man kann bemerken, dass man sich in einem feinen, für die Augen nicht sichtbaren Wirkungsfeld befindet. Die Atmosphäre kann man physisch nicht sehen, aber man kann sie in den Gefühlen bemerken und empfinden und sie dann entsprechend gestalten. Durch die Aufmerksamkeit, genauer gesagt durch das Bewusstsein, existiert die Möglichkeit eine Atmosphäre günstig zu gestalten. Über das Bewusstsein nimmt man die Atmosphäre der Umgebung konkret in ihrer eventuell einengenden oder weitenden Qualität wahr.

In Zeiten der Corona-Maßnahmen und der damit verbundenen Einschränkungen der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung jedes einzelnen Menschen, ist es notwendig, aufmerksam die verschiedenen Berichterstattungen wahrzunehmen und sie hinsichtlich ihrer Logik und Authentizität zu prüfen. Wie wirkt der Artikel? Oder wie empfinde ich den Berichterstatter? Ist er/sie authentisch? Stimmt das, was er/sie sagt, auch mit dem überein, wie er/sie wirkt? Wie sind Gestik, Körperhaltung und Blick?

Eine Unabhängigkeit und Wachheit gegenüber dem Außenraum und auch gegenüber dem eigenen Innenraum, lassen einen leichter zu einer objektiven Wahrnehmung kommen und als Folge davon, wird sich auch die Atemtätigkeit in ihrer freien und unabhängigen Qualität zeigen. Ein freier Atem ist die Grundlage für ein freies Bewusstsein, ein Bewusstsein, das nicht durch Ängste, Emotionen und Unsicherheiten an den Körper gebunden ist und dadurch mehr von den körperlichen Bedingungen geführt wird, sondern ein Bewusstsein, das unabhängig vom Körper die gegebenen Tatsachen und Fakten bemerken und dadurch der Einzelne auch freier zu einer objektiven Standposition gegenüber den Umständen der Zeit finden kann.

Eine einfache Atemübung:

Folgende Atemübung fördert unser Beobachtungsvermögen, wie unterschiedlich die Qualitäten des Atems sein können und welche Empfindung damit in Verbindung stehen. In dieser Übung werden vier Atemformen praktiziert:

Legen Sie sich mit dem Rücken auf den Boden, möglichst in einer geraden, entspannten Ausrichtung, die Füße sind etwa 30 cm auseinander und fallen entspannt zur Seite, die Arme liegen seitlich vom Körper und die Handflächen zeigen nach oben. Die Augen können geschlossen werden oder geöffnet bleiben, das ist für die Übung nicht von Bedeutung, wichtig ist es jedoch, während der Übung aufmerksam die Atmung in die verschiedenen Regionen zu lenken und wach zu beobachten.

Zuerst atmen Sie in die Flankenregion, der Bereich seitlich unter den unteren Rippen. Vom Empfinden her ist es eine Atmung in die Weite.

Dann lenken Sie die Atmung nach unten in die Region des Beckenbodens. Hier entsteht das Gefühl, mehr in die Tiefe, ja mehr in die Körperlichkeit zu atmen.

Dann führen Sie die Atmung gedanklich zur Schlüsselbeinregion hinauf, mit der Vorstellung, dass der Atem diesen Bereich wie sensibel berührt.

Schließlich wird in diesem einen Atemzug die Atmung in die Herzregion geführt und hier kann mehr ein Empfinden einer Mitte beobachtet werden.

Nach der Einatmung wird sanft und natürlich ausgeatmet.

In einem Atemzug wird der Atem in vier Regionen geführt und danach wieder ausgeatmet.

Diese Übung kann 10 bis 15 Mal ausgeführt werden und danach geht man wieder seinen Arbeiten nach.

Durch das aufmerksame Beobachten in den Übungen können unterschiedliche Empfindungen wahrgenommen werden, einmal die Weite in der Flankenatmung und zum Schluss die Atmung in die Mitte, die mehr ein Gefühl von Zentrierung gibt. Mit der Atmung in die Tiefe, bemerken wir die Körperlichkeit, während die Schlüsselbeinatmung uns die Berührung des Atems von außen empfinden lässt. Das alles sind unterschiedliche Qualitäten der Atmung und verdeutlichen auch unsere unterschiedlichen Beziehungsverhältnisse: Mit der Empfindung der Weite geht die Beziehungsaufnahme nach außen, mit der Tiefenatmung ins Körperliche, die Atmung in der Schlüsselbeinregion lässt uns darauf aufmerksam werden, dass von außen etwas an uns herankommt und mit der Mittenatmung nehmen wir uns als Individualität wahr.

Viel Freude beim Üben und mit den besten Wünschen

Christine